Vor der Frachtschiffreise (I)

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An Bord des Museumsschiffes “Cap San Diego” in Hamburg. Ein Tipp: Wenn ich in Hamburg übernachte, dann stets auf diesem “weißen Schwan” mit kleinem Hotelbetrieb.

… kürzlich berichtete ich von einer anstehenden Seereise mit einem Frachter von Hamburg nach Teneriffa. Wer mag, kann die Vorbereitungen und später den Erlebnissen an Bord folgen.

Das Schiff, ein typischer Feeder, ist um einige Hausnummern kleiner als die gängigen Kreuzfahrer und Containerriesen, nur 130 statt über 260 oder gar 380 Meter Länge. Keine Stabilisatoren, Nutzlast um 700 TEU (Standardcontainer), eine kleine Messe, drei Mahlzeiten täglich und nur zwei Kammern für max. vier Passagiere. Animation: Null. Dafür hat man recht guten Kontakt zur 14-köpfigen Mannschaft, kann allen an Bord bei der Arbeit über die Schulter schauen, dem Käpt´n Kaffee auf die Brücke bringen und Klönschnack halten.

Feeder im Short-Sea-Service sind Containerschiffe, die Frachten von den interkontinental verkehrenden Dickschiffen mit bis zu 19.000 Containern übernehmen und auf kleinere Häfen von Skandinavien und Baltikum bis nach Nordafrika verteilen. Oder anders herum z. B. frisches spanisches Olivenöl für China in Andalusien aufpicken und in Rotterdam oder Hamburg den ganz großen Pötten zuführen.

Ab Hamburg gibt es ein bis zwei solcher Schiffe, die regelmäßig auch die Kanaren (Teneriffa und Gran Canaria) ansteuern. Ein Umlauf Hamburg/Hamburg dauert etwa 21 Tage. Ich habe die rd. achttägige Teilstrecke Niederlande, England bis Santa Cruz de Tenerife gebucht; vielleicht mache ich dann im März/April die zweiwöchige Reise northbound über Marokko, Gibraltar, Spanien, Portugal, England und Niederlande zurück nach Hamburg.

Bucht man eine Schiffspassage auf einem Frachtschiff, so darf man getrost fast alles vergessen, was man an Reise- und Verbraucherrechten von Kreuzfahrt-, Flug- und Pauschalurlauben her kennt. Im Vordergrund steht der Transport der Güter von A nach B. Darum dreht sich einfach alles; als Passagier bist du nur ein Beipack. Das heißt nicht, dass man keinerlei Rechte besitzt, aber die Vertragsgrundlage ist nun mal ein ganz anderes Metier als bei einer Pauschalreise.

Beispiel: Glaub nicht, dass du auf See vom Fenster aus immer einen besonders schönen Blick aufs Meer hast. Oder, dass stets eine ungestörte Nachtruhe herrscht. Die Container können schon mal so hoch gestapelt sein, dass der Ausblick aus dem langweiligen Anblick einer Blechkiste besteht. Und wenn das Schiff nachts im Hafen liegt, wird trotzdem die Ladung gelöscht. Dann quietscht, rumpelt, knallt und vibriert es mächtig.

Im Anhang zum Beförderungsvertrag sind auf neun Seiten die Spielregeln aufgelistet. Darüber hinaus stellt der Vermittler – Frachtschiffreisen sind nur selten beim Reeder direkt zu buchen – nützliche allgemeine Informationen und Tipps zur Verfügung.

Vor allem muss man eines mitbringen: Flexibilität in jeder Hinsicht. Endgültige Informationen zur Einschiffung in Ort und Zeit gibt es erst zwei, drei Tage vorher. Bis dahin kann sich viel ändern – Schiff, Ein- und Ausschiffungstermin, sogar unterwegs kann sich die Reise noch um den einen oder anderen Hafen verkürzen oder verlängern. Diese beliebte Fahrt auf die Kanaren muss frühzeitig gebucht werden; aber natürlich haben sich seither schon Abfahrtstermin, vorgesehenes Schiff und die Route geändert, *grins.

Dem operativen Fahrplan des Reeders und einem Vesseltracker folgend hat mein Dampfer gestern den Kanal mit Ziel Santa Cruz passiert. Liegt also gut im Plan, um mich Ende des Monats zurück in Hamburg an Bord nehmen zu können.

Fortsetzung folgt.

(Foto: © eigenes Foto)

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